7. WirtschaftsEthikForum© der Metropolregion 2015

„Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten soll.“

cafe-wef-2015Mit diesem Sokrates zugeschriebenen Zitat startete am 7. Mai 2015 das 7. Wirtschafts-Ethik-Forum© der Metropolregion Nürnberg in den Räumen der Nürnberger Sparkasse. Die Moderatoren des Tages – Christian Summa und Dr. Andreas Grabenstein, beide Initiatoren und Vorstandsmitglieder der Nürnberger Initiative Zeit für Ethik e.V. – werfen damit bereits zum Einstieg der Veranstaltung die spannende Frage der nächsten Stunden auf: Was hat sich an den Einstellungen und Werthaltungen der nachwachsenden Generation im 21. Jahrhundert verändert?
Dass sich etwas verändert hat, wird auch von den Grußwortrednern bestätigt.

Dr. Michael Kläver, Direktor der Sparkasse Nürnberg illustriert dies an den Folgewirkungen der Finanzkrise in seiner Branche. Eine zweite Veränderung zeige sich für ihn auch an dem heutigen Teilnehmerkreis. So merkt Kläver an, dass beim ersten unternehmensethischen Salon vor rund 13 Jahren 10 Gäste anwesend waren, während es heute rund 100 Teilnehmende über alle Altersgruppen hinweg sind – eine starke Entwicklung für die Menschen in der Region und ihre Unternehmen. Die Relevanz des Themas wird auch in den sich anschließenden Grußworten der zwei Schirmherren der Initiative Zeit für Ethik aufgegriffen. Gerade mit Blick auf den Fachkräftemangel stellt Dr. Michael Fraas, der Wirtschaftsreferent der Stadt Nürnberg fest, wie wichtig die inhaltliche Auseinandersetzung mit gelebten Werten in Unternehmen sei und dass die Veranstaltungen der Initiative Zeit für Ethik hierfür in besonderer Art und Weise einen Diskussionsraum schaffen. Anknüpfend daran konstatiert Dirk von Vopelius, der Präsident der IHK Nürnberg für Mittelfranken, was sich – mit der gebotenen Hut vor Allgemeinerungen – aus seiner über mehrere Generationen hinweg gewonnenen Erfahrung augenscheinlich verändert hat. Das Denken der nachwachsenden Generation sei tatsächlich internationaler, zudem ist sie vergleichsweise selbstbewusster, hat eine andere Einstellung zum Unternehmertum, ist mithin kritischer gegenüber den Markteilnehmern.
Einen Einblick, wie sich diese Veränderungen aus Sicht der „Besprochenen“ anfühlen und woran sie festgemacht werden, geben die sich anschließenden Impulsvorträge. Im Abgleich mit ihren persönlichen Einstiegserfahrungen ins Arbeitsleben sieht Caterine Schwierz – COO von Rundstedt – eine Vielzahl von Parallelen, die sich insbesondere an den Schnittpunkten „Spaß bei der Arbeit“ in Verbindung mit der Ablehnung von vornehmlich kritisierendem und kontrollierendem Führungsverhalten treffen. Anknüpfend an die von Prof. Dr. Peter Kruse durchgeführten Analysen zu kulturellen Veränderungen im Spektrum von globalisierten Arbeitskontexten gibt sie verschiedene Anregungen, wie es Unternehmen gelingen kann, von der Generation Y zu lernen und dabei ihre Talente zu nutzen.
Wie die Generation Y tickt, wird von Hannah Bahl, Journalistin und Kulturmanagerin im zweiten Impulsvortrag beleuchtet. Ausgangspunkt ist die ständige Auseinandersetzung mit der Frage, was das aktuell Richtige ist – für das eigene Leben, um die Balance für sich zu halten, seine eigenen Grenzen zu kennen und immer wieder neu auszuhandeln. Sie stehe hier – so die Referentin – nicht für sich allein, sondern für 1.200 Leute, mit denen sie sich in den sozialen Netzwerken permanent austauscht und deren Sichten und Lösungsansätze virtuell hinter ihr stehen, was in der Summe zu einer starken Interdisziplinarität mit potenziertem, jederzeit abrufbarem Wissensvorrat beiträgt.
Im sich anschließenden DialogCafé diskutieren die Forumsgäste in kleinen Gruppen über kreative Ansätze und Lösungsideen – gemeinsam mit den in starker Anzahl vertretenen Anwälten der Generation Y. Im Zentrum stehen dabei die Fragen des „voneinander Lernens“ und was Unternehmen tun können, um die Generation Y für sich zu gewinnen. Hier treffen sich „alt bekannte“ Konzepte wie Wertschätzung, Verständnis, Orientierung an den Menschen mit „jungen Erwartungshaltungen“, die sich in Punkten wie „Freiheit“, „Glück“, „Medien-Affinität“, „veränderte Feedback-Kultur“ und „Führung auf Augenhöhe“ widerspiegeln.
Die abschließende, sehr offene wie lebendige Podiumsdiskussion zeigt mit spontanen Beiträgen aus dem Auditorium, wie gut ein generationsübergreifender Austausch funktionieren kann und dass Fragen der Unternehmensethik darüber eine veränderte Wahrnehmung und Behandlung erfahren können.

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