Gelebte Willkommenskultur als Erfolgsfaktor für Unternehmen

Rückblick auf den zweiten Ethiksalon im Nürnberger Wirtschaftsrathaus

In Zeiten des Fachkräftemangels geht es auch in der europäischen Metropolregion Nürnberg verstärkt darum, Arbeitskräfte aus anderen Ländern besser mit regionalen Unternehmen zu vernetzen. Michael Fraas, Schirmherr der Initiative „Zeit für Ethik“ und Wirtschaftsreferent, begrüßte zum zweiten „Ethiksalon im Wirtschaftsrathaus“ mit diesem Thema.
Die Initiative hatte unter der Fragestellung „Wer heißt wen und wie willkommen?“ Frau Dr.Christa Standecker, Geschäftsführerin der Geschäftsstelle der Europäischen Metropolregion Nürnberg, und Herrn Murat Sahin, Geschäftsführer der Grundig Intermedia GmbH als Impulsgeber eingeladen.
Mit 3,6 Millionen Einwohnern

in rund 540 Städten und Landkreisen, auf einer Fläche von 21.000 qm, erwirtschaftet die Metropolregion ein Bruttoinlandsprodukt von ca. 115 Mrd. €, fast die Hälfte davon, 47 % geht ins Ausland. Sie gehört damit zu den leistungsfähigsten Regionen in Europa, ihr BIP entspricht dem von Shanghai oder Ungarn.
Diese hohe Exportorientierung der Region spricht auch für ein ausgeprägtes Verstehen von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen. In einer aktuellen Befragung schneidet jedoch die „Willkommenskultur“ nicht gut ab: die positive Bedeutung der Zuwanderung für die Ansiedlung von internationalen Firmen wie auch die anwachsende Vielfalt innerhalb Deutschlands stellen einerseits sieben von zehn Bürgern heraus. Zuwanderer in der Gesellschaft jedoch willkommen zu heißen, sehen vier von zehn Bürgern eher verhalten.
Die Leistungsfähigkeit einer Gesellschaft kann nur erhalten bleiben, wenn es gelingt, als Region weiterhin eine hohe Attraktivität auszustrahlen. Nicht nur mit guten Aussichten auf dem Arbeitsmarkt für direkt Beschäftigte, sondern auch mit konkreten Hilfen bei der Eingliederung und der Aussicht auf dauerhafte Lebensperspektiven für deren Familien.
Auf die Frage nach Gründen für Arbeitnehmer, sich anstelle von Metropolen wie London, New York oder Singapur gerade für Nürnberg zu entscheiden, verweist Herr Sahin einerseits auf einen unvoreingenommenen Umgang Menschen mit anderen kulturellen Wurzeln gegenüber, aber auch auf gute Lebensbedingungen für Partner und Kinder. „Wenn Deutschland die innovativen Einwanderer als Unternehmer, als Geschäftsführer, als Arbeiter oder als Techniker akzeptieren kann und ihnen die deutsche Kultur und Sprache beibringt, dann werden diese Menschen viel Gutes für Deutschland tun.“ Dies belegt er mit etlichen Beispielen aus seinem Unternehmen, das Mitarbeiter mit ihren Familien für den Standort Nürnberg mit seiner hohen Lebensqualität gewinnen konnte. Sicher auch aufgrund Herrn Sahins eigener engagierter und überzeugender Persönlichkeit und seinen an den individuellen Bedürfnissen ausgerichteten Lösungsansätzen. Welche Bedeutung dabei eine freundliche Ansprechpartnerin bei der Genehmigung der Arbeitserlaubnis haben kann, führte Herr Sahin am eigenen Beispiel aus.
Was die Region Menschen und Unternehmen an Unterstützung zur Verfügung stellt, dazu gab Frau Dr.Standecker einen Überblick über aktuelle Projekte der Metropolregion zur Willkommenskultur: Welcome Service für Fachkräfte, Entdeckerpass, Zukunftscoaches, Allianz pro Fachkräfte sind nur einige der Maßnahmen, die auch in einer zweisprachigen Broschüre „Die Heimat für Kreative“ dargestellt sind. Oder auch online abrufbar unter dem link www.metropolregion.nuernberg.de
In der anschließenden Publikumsdiskussion folgte ein reger Austausch mit weiteren Beiträgen zu Maßnahmen und Möglichkeiten wie z.B. zur Überwindung von Sprachbarrieren. Wie ist der Stand in der Region bei Überleitungsklassen, die das Ziel einer schnellen sprachlichen Teilhabe von fremdsprachigen Schülern sichern? Sollte es neben privaten internationalen Schulen ein breiteres staatliches Schulangebot geben? Gibt es schon Modelle von internationalen Kindergärten?
In einem Unternehmen mit 60% ausländischen Mitarbeitern ist ein unternehmensseitiges Angebot von berufsspezifischen Sprachkursen selbstverständlich.
Alles in allem ein gelungener Abend mit lebhaften und offenen Gesprächen.

Einen kurzen Fernsehbeitrag zum Ethiksalon finden Sie unter Link zur Frankenfernsehen-Mediathek

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