Warum Zeit für Ethik ? – Paul Habbel

Fragen an Mitglieder und Freunde der Initiative Zeit für Ethik – Paul Habbel, Geschäftsführer GUTMANN ALUMINIUM DRAHT GMBH aus Weißenburg

  • Was ist Ihnen als Führungskraft, als Unternehmer ein wichtiges ethisches Anliegen? Welche Werte wollen Sie leben? Wie gelingt es Ihnen, dies im eigenen Verantwortungsbereich zu verwirklichen?

Mein größtes ethisches Anliegen ist die Potentiale der Mitarbeiter/innen zu entwickeln. In jedem von uns stecken enorme Kräfte, die entfaltet werden können. Die Herausforderung liegt in der Führung von Menschen. Neben Wertschätzung und Respekt bedarf es aber auch Momente der Wahrheit. Bei diesen Gesprächen der „Wahrheit“ können alle Beteiligten eine Menge lernen, die Organisationsverantwortlichen und insbesondere die ausführenden Mitarbeiter/innen. Blindleistungen und Verschwendungen werden in der Regel  aus Prozess Abstimmungsbrüchen, Kommunikationsmängel oder fehlender Motivation der Beteiligten hervorgerufen. Die Ursachen für die fehlende Motivation sind in der Praxis sehr vielschichtig und meistens durch inspirierende und schöpferische Dialoge  „heilbar“.

Wir schaffen gezielt „Gefäße“ in denen Lebendigkeit ins Unternehmen gebracht wird und das soziale Betriebssystem verbessert wird. Führen und das Bilden von Gemeinschaften sind hier die Stichworte aus unserem Organisationskompass, der uns eine Orientierung gibt.

Ein weiteres großes Anliegen ist mir,  über den Sinn und Zweck unseres Unternehmens nach zu denken. Natürlich wollen wir in unserem Kerngeschäft der Herstellung von Drahten und Stangen aus Aluminium immer exzellenter werden. Sinn und Kraft gibt uns aber auch unsere höhere Leidenschaft. „Wie können wir dazu beitragen, dass die Situation auf unserem Planeten ein wenig  verbessert wird“. Wir dürfen nicht glauben, dass uns die Erde gehört. Wir gehören der Erde. Wir kümmern uns intensiv um die Reduzierung des CO 2 Ausstoßes und der Förderung des Nachwuchses in unsere Region altmühlfranken.  Die im Unternehmen angewendeten Dialogformen wie Open Space Technology, World Cafe und  Rat der Weisen transformieren wir in die Region, um die Potenziale unserer Jugend zu entfalten und zu nutzen, um unserer Region den Nachwuchs zu sichern und um die Strahlkraft von altmühlfranken zu verstärken.

  • Wie sehen Sie das Verhältnis von Ethik und (ökonomischem) Erfolg?

Humankapital ist für mich das wichtigste Kapital im Unternehmen. Motivierte Mitarbeiter/innen begeistern Kunden und andere Stakeholder. Der messbare, wirtschaftliche Erfolg bleibt dann nicht aus und ist auch kein Widerspruch.

  •  Ein schönes Beispiel von gelebten Werten in Ihrem Unternehmen?

Wir veranstalten im  Mai 2012 die fünfte Runde des Rats der Weisen in der GUTMANN  ALUMINUM DRAHT GMBH. Zwölf freiwillige, repräsentative  Mitarbeiter/innen aus dem Unternehmen denken einen Tag mit einem externen Begleiter über die „Blinden Flecken“ in unserem Unternehmen nach. Am nächsten Tag treffen sich alle anderen Mitarbeitenden, um sich in Sketchen und kleinen Vorträgen inspirieren zulassen. Ein bis zwei Hauptthemen werden von allen Anwesenden in einem World Cafe weiterbearbeitet und vertieft. Die Umsetzung  erfolgt ohne Kontrolle und Druck, wie allgemein die Führung mit Kraft – und damit mit einer hohen Anziehungskraft –  arbeitet. Ein weiteres Beispiel ist die Open Space Veranstaltung Anfang März 2012 mit dem Titel: „Nachwuchs für unsere Zukunft – Zukunft für unseren Nachwuchs“. 130 Stakeholder aus der Region altmühlfranken haben  1,5 Tage über die Nachwuchsförderung im Landkreis diskutiert.

  • Wer oder was hat Sie in ethischer Hinsicht geprägt?

Ich komme aus einer ländlichen Region und einem naturverbundenen Elternhaus. Das Leben in Gemeinschaften hat mich stark geprägt und geformt. Die Verbundenheit zur Natur und deren Schutz ist mir quasi in die Wiege gelegt worden. Meine Familie und deren Vorfahren sind mit der Landwirtschaft aufgewachsen.

  • Ein ethisches Dilemma, in dem Sie sich befanden oder befinden? Was hat Ihnen geholfen, was hilft Ihnen, Spannungen zwischen Ihren Werten und der tatsächlichen Unternehmenswirklichkeit zu gestalten?

Wir sind 2008/2009 – wie viele Unternehmen auch –  in eine sehr ernsthafte wirtschaftliche Krise geraten, die wir nicht nur durch Kurzarbeit lösen konnten. Wir haben uns damals von 25 % der Belegschaft trennen müssen, um das Unternehmen nicht zu gefährden. Die Trennung wurde freiwillig sehr sozial verträglich über eine Transfergesellschaft organisiert. Obwohl die gesetzlichen Kündigungszeiten nur zwischen zwei und vier Wochen lagen, haben wir eine Überbrückungszeit von 5 Monaten organisiert. Mit den betroffenen Mitarbeitern/innen wurden umfangreiche Gespräche geführt und Versprechungen auf Wiedereinstellung gegeben. Schon in 2010 haben wir alle nicht vermittelten Personen wieder ins Unternehmen geholt.

  • Was schätzen Sie an „Zeit für Ethik“? Warum sind Sie dabei? Was könnten wir in unserer Arbeit anders, was mehr machen? Wo möchten Sie sich stärker einbringen?

Ich  schätze an „Zeit für Ethik“ die verantwortungsbewussten Menschen, die sich ehrenamtlich sehr engagieren und die Ziele ethischen Handelns verbreiten möchten. In den ErFA Runden kann man sich auf Augenhöhe austauschen und eine Fülle von guten Beispielen kennen lernen.

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